Mittwoch, 24. August 2011

Old Shatterhand? Kenn ich nicht...

... doch, verdammt, natürlich kenn ich ihn. Wie kann man ihn auch nicht kennen, diesen strahlenden sachso-amerikanischen Volkshelden?! Diesen Beschützer der Schwachen, Rächer der Entrechteten, diesen Meisterschützen, Meisterreiter, Meisterboxer und Meister-was-weiß-ich-noch-alles. Gibt es eigentlich irgendwas, was uns Schmetterhändchen nicht besser kann als jeder andere?

Wenn Old Shatterhand (der dann wohl Young Shatterhand genannt worden wäre) und ich zusammen in der Schule gewesen wären, hätte es zwischen uns bestimmt nicht zur Blutsbruderschaft gereicht. Eher zu blutigen Nasen. Wer mag schon einen, der alles besser kann, und auch noch alles geschenkt bekommt: Für seinen Gaul hat er nicht bezahlt, der gute Henry hat ihm seinen ersten Henry Stutzen geschenkt - und ich hab mir für meine Winchester 66 ein halbes Jahr auf Rileys Ranch den Rücken krumm geschuftet und jeden verdammten Cent gespart, und dann noch ein halbes Jahr, um ihm Tyler abzukaufen, den störrischen Bronco, der er damals war.

Und dann dieses herablassend-edelmütige Getue. Ich bin sicher, wenn Old Shatterhand einer Lady vom Kutschbock hilft, und dabei sein Blick versehentlich auf ihren Unterrock fällt, wäscht er sich erst einmal eine halbe Stunde die Augen aus. Überhaupt, Old Shatterhand und die Ladys: Die einzige langhaarige Schönheit, mit der er sich von Zeit zu Zeit blicken lässt, ist dieser Apache. Jetzt nichts gegen Apachen, nette Kerle, wenn sie nicht gerade auf dem Kriegspfad sind. Aber ich will's mal so formulieren: Wenn ich meine Eliza mit einem Kerl zusammen in der Badewanne erwischen würde, und dieser Kerl wäre Old Shatterhand, und der mir dann erzählen würde, er gebe ihr bloß gerade Schwimmunterricht - also, ihm würde ich das glauben.

Kannst du dir diesen Old Shatterhand am Pokertisch vorstellen? Oder wie er stockbesoffen aus dem Saloon fliegt? Old Shatterhand, der reitet auch nicht auf Bullen, weil es da keine Chance gibt, dass er nicht doch  irgendwann im Dreck liegt. Und das wäre nicht gut für seinen Ruf als "sauberer" Westmann. Zugegeben, prügeln kann er sich wie ein echter Kerl, und man erzählt sich, er habe auch schon mal einen Bären mit dem Messer erlegt. Er behauptet, es war ein Grizzly. Ist eigentlich niemandem aufgefallen, dass er, seit diese Geschichte rum geht, eine Mütze aus einem Waschbärpelz trägt?

Was ich damit eigentlich sagen wollte: Neulich hat einer behauptet, dieser Old Shatterhand sei ja wohl mein großes Vorbild. Nein. Ist er nicht. Ich kümmere mich um meinen Kram, er sich um den von Jedermann. Ich schieße schon mal daneben, er trifft immer. Ich wasche mich mit Wasser und trinke Whiskey, er ... keine Ahnung, womit er sich wäscht, aber beim Trinken hält er sich jedenfalls ans Wasser.

Wenn du Old Shatterhand für den größten Westmann hältst, der je über die Prärie getrabt ist, dann hast du längst weiter oben aufgehört zu lesen. Wenn du all zu perfekten Menschen genau so wenig traust wie ich, wird dir meine Geschichte vielleicht besser gefallen:



Zwei Tagesritte von El Paso - Als Kindle-Ebook für 0,99 €



Bis demnächst im Saloon - oder vor dem Saloon, aber das willst du nicht wirklich. 

Dein
Thomas Al "Lobo" Wolfson, Diggers Tomb, New Mexico

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