Samstag, 10. September 2011

Die Feuer von Alamosa - zum Reinschnuppern

„Pete, Gordon, Will, kommt Ihr mit? Mein Tyler muss sich mal wieder austoben.“

„Da hast du Pech“, grinste Pete, „die Damen kommen erst, wenn der Schienentrupp hier ist.“

„Na, du scheinst ja schon dringend drauf zu warten“, entgegnete ich. „Mein Tyler ist nicht, was du denkst, Tyler ist bloß mein Pferd, und der muss sich wirklich dringend wieder bewegen.“

Pete und Will hatten keine eigenen Pferde hier, sie waren von der Eisenbahngesellschaft hierher kutschiert worden. Nur Gordon ritt sein eigenes Tier.

„Wenn es dir nichts ausmacht, mit einem Nigger auszureiten“, sagte Gordon.

„Hör mal, mein Vater ist gestorben, damit du und ich wie zwei Männer miteinander reden können. Tritt sein Andenken nicht mit Füßen.“

Das war übrigens die Wahrheit: Mein alter Herr war in der Schlacht am Gloriettapass gefallen. Dass er für die Südstaaten gekämpft hatte, musste ich Gordon ja nicht unbedingt auf die Nase binden.

„Schon gut, schon gut“, wehrte Gordon ab, und gemeinsam holten wir unsere Sattel aus den Schuppen. Ich hatte, von meiner Winchester abgesehen, noch fast alle meine Habseligkeiten in den Satteltaschen und an verschiedenen Schlaufen am Sattel hängen. Bratpfanne und Kaffeekanne brachte ich in meinen Spind, spürte aber nicht die geringste Begeisterung bei dem Gedanken, auch noch den Rest auszuräumen. Tyler war an das Gewicht ja ohnehin gewöhnt.

Grinsend sah ich Gordon zu, wie er seinen schneeweißen Rappen sattelte und aufsaß, verkniff mir aber jede Bemerkung.

„Ja, ja“, sagte Gordon, „nun mach schon deinen Spruch. Irgendwas mit 'schwarz auf weiß' liegt dir doch auf der Zunge.“

„Jep. Aber ich kann schweigen. Komm schon, bevor die Gäule Gicht bekommen.“

Wir galoppierten über eine langgezogene Ebene ein paar Meilen nach Westen. Insgeheim hoffte ich, einen Hinweis auf den möglichen Unterschlupf der Banditen zu finden. Vier Mann können sich leicht irgendwo verstecken, aber sie mussten ja auch ihre Pferde irgendwo unterstellen. Mein Plan war, das Versteck zu finden, zurück nach Alamosa zu reiten und mit zehn Mann und einer geladenen Winchester wieder zu kommen. Noch vor dem Frühstück wären die vier dann am Galgen, und mir wäre die Wahl zum Sheriff so gut wie sicher. Doch vorerst sah nichts danach aus, dass sich hier irgendwo Banditen aufhielten. 

Aus Die Feuer von Alamosa - Als Kindle-E-Book für 1,39 €*

*inklusive Mehrwertsteuer

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