Montag, 12. September 2011

Kojoten am Rio Grande - zum Reinschnuppern


Die Männer erhoben sich grölend und lachend, zwei von ihnen packten Oscar bei den Armen und führten den zappelnden und schreienden Mann in Richtung auf das Ufer des Rio Grande zu. Oscar war hier, um mich zu jagen – aber er war vor allem einer von meinen Leuten. Jetzt war es also doch mein Krieg. Verfluchte Hurensöhne.

Ich überlegte kurz, ob ich einen Warnschuss abgeben sollte. Doch dann wären mir im Ernstfall nur noch fünf Kugeln geblieben, um es mit sechs Gegnern aufzunehmen. Ich griff nach meinem Colt und merkte dabei, dass meine Hände schweißnass waren. Es war eine Sache, Luke Branaghan eine Ladung Schrot in seine Männlichkeit zu verpassen, weil er es auf mein Mädchen abgesehen hatte, aber eine ganz andere, auf einen Mann zu schießen, um ihn zur Hölle zu schicken. Ich schloss kurz die Augen. Ich stellte mir einen der Kerle vor, wie er ein kleines Mädchen mit langen schwarzen Zöpfen an den Fluss zerrte, und, ein Messer zwischen seine Zähne geklemmt, ihren Kopf unter Wasser drückte, während sein Boss höhnisch deklamierte „Im Namen des Vaters, im Namen des Sohnes, im Namen des Heiligen Geistes...“ Ich öffnete die Augen wieder, zog, und zielte auf den Mann, der mir am nächsten war. Er hatte schon reichlich getrunken, und war gerade dabei, den anderen ans Flussufer zu folgen, als mein Schuss krachte. Ich sah, wie die Kugel ihm ein Stück seines Hinterkopfes wegriss und er zu Boden sackte wie eine Marionette, der man die Fäden abgeschnitten hatte. Kein schöner Anblick. Aber ein gutes Gefühl. „Amen“, sagte ich, während ich den Hahn des Revolvers spannte.  

Aus Kojoten am Rio Grande - Als Kindle-E-Book für 1,39 €*

*inklusive Mehrwertsteuer

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