Freitag, 14. Oktober 2011

Die Bluträcherin - zum Reinschnuppern

Am 18. Oktober ist der vierte Band der Al Wolfson-Chroniken erschienen, "Die Bluträcherin". Für alle, die  vor dem Kauf einen Blick hinein werfen möchten, hier eine Leseprobe:

Ich spürte, dass ich vieles vor allem deshalb erzählte, um den Zeitpunkt hinauszuzögern, an dem wir uns verabschieden, und sie sich ins Ramblers' Paradise aufmachen würde, während auf mich die Pritsche im Hinterzimmer des Sheriff's Office wartete. 

Es ist nicht leicht, über eine Sache zu reden, während du über eine ganz andere nachdenkst. Ich wusste, der kürzeste Weg zum Herzen einer Frau führt über ein glaubhaftes Kompliment. Aber wie machst du einer Frau ein glaubhaftes Kompliment, während du mit ihr über die Lagerplätze der Yutas plauderst, oder über den Deputy Sheriff von Hooper. Irgendwann fand ich dann doch einen Weg – meinte ich zumindest:

„Sag mal, Jenny, eine Frage geht mir nicht aus dem Sinn. Warum übernimmt eine Frau wie du den Job einer Indianer-Agentin, noch dazu in dieser brenzligen Lage? Versteh mich nicht falsch, ich habe Hochachtung vor dem, was du tust, aber du bist da in eine Welt hinein spaziert, in der Kugeln und Pfeile fliegen, in der gemartert und skalpiert wird, und in der du früher oder später Blut an die Hände bekommst, ob du willst oder nicht. Ich kenne ein paar Flintenweiber, die würden sich dabei wohl fühlen. Aber du, du bist kein Flintenweib. Du hast Bildung, Charme, Witz, du siehst fantastisch aus, und ich bin sicher, dir stehen tausend Türen offen. Warum bist du diesen Weg gegangen?“

Ich dachte, ich hätte in meine Frage alles an Kompliment hinein gelegt, was eine Frau nur hören wollte. Doch Jennys Blick wanderte in eine unbestimmte Ferne und für einen Augenblick war ich sicher, eisigen Hass in ihren Augen zu sehen. Ich wusste, ich war nicht die Zielscheibe dieses Hasses, aber wen auch immer sie derart hasste, er täte gut daran, schon einmal seinen Frieden mit dem Schöpfer zu machen. 

„Entschuldige“, sagte ich, „ich wollte dir nicht zu nahe treten. Es geht mich nichts an, es war dumm von mir, diese Frage zu stellen.“

Doch da lächelte Jenny schon wieder, und ihr Lächeln war nicht weniger aufrichtig, als es der Hass zuvor gewesen war.

„Nein, Al. Es gibt nichts, wofür du dich entschuldigen müsstest, und ich danke dir für dieses bezaubernde Kompliment. Du bist ein außergewöhnlicher Mann, Al, und, versprochen, ich erzähle dir meine Geschichte. Aber nicht heute, okay? Es ist kein Abend für solche Geschichten.“

Während sie das sagte, legte sie ihre rechte Hand auf meine. „Wollen wir gehen? Bringst du mich noch zum Hotel?“, fragte sie dann.

Aus Die Bluträcherin - Als Kindle-E-Book für 1,39 €*

*inklusive Mehrwertsteuer

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