Montag, 7. November 2011

Thomas Al Wolfson: Seine Zeit, seine Welt

Cowboys, Indianer, Banditen und reichlich Munition: Das sind die Zutaten vieler Western - die auch in den Al Wolfson-Chroniken nicht fehlen. Doch Thomas Al Wolfson agiert vor einem klar definierten historischen Hintergrund. Hier einige Fakten, die geschichtlich Interessierten die Orientierung in seiner Welt erleichtern:

Zeit und Raum

Al Wolfsons Flucht aus seiner Heimatstadt Diggers Tomb in New Mexico lässt sich auf den Spätsommer 1878 datieren.

Die mexikanischen Staaten Chihuahua, Sonora und Durango zahlen in dieser Zeit Prämien für die Skalps von Apachen: Die Kopfhaut eines Kriegers ab 14 Jahren bringt ursprünglich 100, später 200 Pesos, für die Skalps von Frauen bekommen Skalpjäger 50, später 100 Pesos und für die von Kindern 25, später 50 Pesos.

Da man einer abgeschnittenen Kopfhaut kaum ansieht, welchem Stamm ihr Träger zu Lebzeiten angehört hat, konzentrieren sich die Skalpjäger meist auf die am wenigsten wehrhaften Indianerdörfer, deren Bewohner sie unterschiedslos massakrieren. Dass sich die Skalpjäger bei der Verfolgung ihrer Opfer nicht von der zu dieser Zeit noch durchlässigen mexikanisch-amerikanischen Grenze aufhalten lassen, liegt auf der Hand.

Die Flucht des Helden führt ihn den Flusslauf des Rio Grande hinauf nach Colorado. Das einstige "Territorium Colorado" ist seit 1876 amerikanischer Bundesstaat. Mai 1878 gründet die Denver and Rio Grande Railway im Süden Colorados die Stadt Alamosa, in der Al Wolfson im Herbst des selben Jahres zunächst als Bauarbeiter anheuert. 1878 wird auch die Gleisverbindung vom rund 75 Meilen östlich gelegenen Walsenburg nach Alamosa fertig gestellt.

Alamosa liegt im San Luis Valley, bis in die 1890er Jahre auch Heimat der Yuta-Indianer. Das Tal liegt auf einer mittleren Höhe von rund 2300 Metern, während die das Tal umgebenden Berge eine Höhe von über 4000 Metern erreichen. Die Nächte sind kalt, die Winter schneereich, der Blick auf die umliegenden Bergketten imposant.

Ereignisse, die in die Handlung hineinspielen

Der Sezessionskrieg, der 1865 mit dem Sieg der Nordstaaten endete, hat seine Spuren hinterlassen: Kaum einer, der in diesem Krieg nicht einen Freund oder Verwandten verloren hätte - auch Al Wolfsons Vater ist von der Schlacht am Gloriettapass nicht zurückgekehrt. Tausende von Bürgerkriegswaffen sind in dunkle Kanäle verschwunden.

Im Süden ist der Ku-Klux-Klan groß geworden, dessen Anhänger für eine Wiederherstellung der alten Verhältnisse kämpfen. Offiziell löst sich der Ku-Klux-Klan bereits 1871 wieder auf - doch viele sehen darin nur ein Manöver, um das "unsichtbare Reich", wie der Klan von seinen Anhängern genannt wird, noch etwas unsichtbarer zu machen.

In den 1860er und 1870er Jahren hat der Colorado Gold Rush seinen Höhepunkt erlebt, dem sich 1879 der Silberboom anschließt. Die wertvollen Rohstoffe machen Colorado zu einem reichen Staat. Im Kampf um Gold und Silber werden die Yuta-Indianer immer wieder aus den ihnen zugesicherten Gebieten gedrängt - aber auch untereinander kennen die Goldsucher keine Gnade.

Gegen Ende der 1870er Jahre steigen in Colorado die Spannungen zwischen Yuta-Indianern und weißer Bevölkerung, die 1879 zu der Ermordung des Indianer-Agenten Nathan Meeker und zehn seiner männlichen Mitarbeiter führen. Der US-Army unterliegen die Indianer jedoch im anschließenden "White River-Krieg", etliche werden in Reservate zwangsumgesiedelt.

Das ist freilich nur ein grober Abriss über den geschichtlichen Hintergrund der Al Wolfson-Chroniken. Auf viele Aspekte lohnt sich ein detaillierterer Blick. Dazu später mehr an dieser Stelle.

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