Mittwoch, 30. November 2011

Wer den Bullen reizt... - ein erster Auszug



Ich erzählte Father Fairbanks von dem Überfall auf Headly, von der Schießerei, und auch davon, dass Gary schließlich von eigener Hand gestorben war. Für jeden gläubigen Katholiken, so hatte man mir gesagt, war Selbstmord eine Todsünde, die unweigerlich zu ewiger Verdammnis führte.

Father Fairbanks seufzte. Dann entschied er „So, wie ich die Sache sehe, wollte der arme Gary die Kugel herausschneiden, die in seinem Schlüsselbein steckte, und hat das Messer falsch angesetzt. Für seine Sünden wird ihn wohl das Fegefeuer erwarten, doch nach einer Läuterung dort mag er letztlich doch noch in die Glückseligkeit eingehen.“

„Father“, sagte ich, „wenn ich mal vor den Richterstuhl Gottes trete, dann hätte ich Sie gern als Anwalt. Sie werden unseren Schöpfer vielleicht nicht umstimmen können, aber bestimmt erheitern. Ich denke, ich sollte doch einmal einen Ihrer Gottesdienste besuchen.“

„Oh, von jetzt an haben Sie doppelt so viel Gelegenheit dazu. Es haben mich so viele Leute dazu gedrängt, dass ich vorhin entschieden habe, am Sonntag nun zwei Gottesdienste abzuhalten: Einen des Morgens, der allein den hellhäutigen Schafen des Herrn vorbehalten ist, und einen des Nachmittags, zu dem auch jeder andere von Herzen willkommen ist. Das ist bei uns nie Brauch gewesen, aber wenn es dem Frieden und der Sicherheit der Gemeinde dient, dann will ich gern meinen Teil dazu beitragen.“

„Father...“

„Ja?“

„Vergessen Sie das mit dem Anwalt. Sie meinen's sicher nicht böse, aber wenn Sie den Teufeln die Hand reichen, dann geht die ganze Stadt zur Hölle.“

Ärgerlich schwang ich mich auf Tylers Rücken, um mir Garys Freunde, Randy und Luke, vorzunehmen. Die gehörten vielleicht nicht selbst zum Klan, wussten aber wohl mit Sicherheit einiges mehr über das Verbrechen, das in der Nacht geschehen war, als es den Anschein gehabt hatte.

Es galt, keine Zeit zu verlieren. Heute morgen hatte die Angst ihre Klauen nach Alamosa ausgestreckt, und noch bevor der Mittag gekommen war, begannen sich diese Klauen in das Fleisch unserer Stadt zu bohren. Ich begriff, wie der Klan arbeitete: Gewalt und Mord waren nur Mittel zum Zweck. Piercington hatte schon recht: Angst zu verbreiten war das eigentliche Ziel. Angst vor dem Tod, Angst um die Zukunft seiner Kinder, um das Leben und die Gesundheit von Freunden und Angehörigen – das war die mächtigste Waffe der Klansmänner. Und mit dieser Waffe machten sie sich nun daran, die Art, wie wir lebten, nach ihren Werten umzugestalten. Wie mächtig diese Waffe tatsächlich war, sollte ich erst noch erfahren.

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Montag, 7. November 2011

Thomas Al Wolfson: Seine Zeit, seine Welt

Cowboys, Indianer, Banditen und reichlich Munition: Das sind die Zutaten vieler Western - die auch in den Al Wolfson-Chroniken nicht fehlen. Doch Thomas Al Wolfson agiert vor einem klar definierten historischen Hintergrund. Hier einige Fakten, die geschichtlich Interessierten die Orientierung in seiner Welt erleichtern:

Zeit und Raum

Al Wolfsons Flucht aus seiner Heimatstadt Diggers Tomb in New Mexico lässt sich auf den Spätsommer 1878 datieren.

Die mexikanischen Staaten Chihuahua, Sonora und Durango zahlen in dieser Zeit Prämien für die Skalps von Apachen: Die Kopfhaut eines Kriegers ab 14 Jahren bringt ursprünglich 100, später 200 Pesos, für die Skalps von Frauen bekommen Skalpjäger 50, später 100 Pesos und für die von Kindern 25, später 50 Pesos.