Mittwoch, 18. Januar 2012

Love and Peace(-maker) - Teil 1

Kürzlich fragte mich Twitter-Freundin Jo Tiger, wie es denn in meinen Western um die Liebe bestellt sei. Nun, so manches spielt sich, für das Auge des Lesers unsichtbar, hinter den Kulissen ab. Doch das muss nicht so bleiben. Deshalb werden hier von jetzt an in unregelmäßigen Abständen intime Details aus dem Liebesleben der Mitwirkenden enthüllt - exklusiv in diesem Blog.

In Jennys Augen zeigte sich dieses herausfordernde Funkeln, das ich vom ersten Tag an gemocht hatte. Ich hatte den Pferden eben noch etwas Hafer in ihren Futtertrog gefüllt und die beiden großen Wasserkannen ins Haus getragen, die wir für die morgendliche Wäsche verwendeten. Unterdessen hatte Jenny die Whiskeykaraffe geöffnet und zwei Gläser mit dem guten Trunk gefüllt. Ich setzte mich zu ihr, nahm sie in den Arm, lächelte und wollte eben mein Glas zu einem charmanten Trinkspruch heben, als Jenny, ebenfalls lächelnd, diesen Satz sagte: "Al, ich finde, wir sollten einmal über unsere Gefühle sprechen!"

Eine großartige Idee. Ich liebe es, über Gefühle zu sprechen.

"Guter Gedanke", sagte ich, "aber gerade fällt mir ein, dass ich mit Tyler dringend zum Hufschmied muss." 

"Tyler ist doch überhaupt nicht beschlagen!"

"Da siehst du, wie dringend es ist."

Ich hatte mich noch nicht ganz von der Sitzbank erhoben, als ich einen unangenehm harten Druck an meiner linken Kniescheibe verspürte. Jenny lächelte immer noch, aber der Colt Peacemaker, dessen Mündung sie mir gegen das Knie drückte, verriet, dass es ihr durchaus ernst war.

"Setzt dich doch bitte wieder, Al", sagte sie.

"Du würdest auf mich schießen?"

"Nur ins Knie. Und ich würde dich auch wieder gesund pflegen. Versprochen." Sie zwinkerte.

Nun kann ich mir kaum jemanden vorstellen, von dem ich lieber gepflegt würde, als von Jenny, aber Kniescheiben ohne Löcher haben auch ihre Vorzüge. Ich setzte mich also wieder.

"Dann bleibt Tyler eben barfuß", seufzte ich, "also, dann erzähl mal."

"Nein, Al, dieses Mal bist du dran. Du weißt doch schon alles über mich: Wie lange ich gebraucht habe, mich zu öffnen, und dass ich mit meiner ersten großen Liebe erst abschließen konnte, nachdem ich diesen Mistkerl in tausend Stücke gesprengt habe (siehe Die Bluträcherin). Aber ich weiß praktisch nichts von dir. Ich weiß nicht mal, ob ich für dich die erste bin. Obwohl, wenn ja, dann wärst du ein ausgesprochenes Naturtalent."

"Äh, danke für die Blumen. Also, ich weiß nicht so ganz, wie ich anfangen soll..."

"Am Anfang."

"Am Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde - autsch!" - Das Funkeln in Jennys Augen wurde intensiver, aber der Schmerz rührte daher, dass sie mir in die Seite gekniffen hatte.

"Gut, gut, also, ganz im Ernst jetzt. Ja, da gab es ein paar Frauen vor dir... Um die erste zu sein, hättest du, glaube ich, deutlich früher geboren werden müssen. Aber dann wärst du mir jetzt zu alt. Die erste war Miss Lucille, die Lehrerin in der Sonntagsschule (siehe Kojoten am Rio Grande)."

"Die Lehrerin?!" - Jenny wirkte ernsthaft überrascht.

"Na ja, das war eine ganz unschuldige, und leider auch einseitige Liebe. Ich war acht, als sie die Sonntagsschule übernahm, und je mehr ich zum Mann heranwuchs, desto deutlicher nahm ich wahr, was sie als Frau zu bieten hätte. Als sie dann später den alten Sid geheiratet hat, da hat es mir das Herz gebrochen. Zum Glück dauert das bei Elfjährigen nicht lange, bis so ein Herz wieder heilt. Aber seitdem habe ich den Mädchen an der Schule keine Käfer mehr in ihre Schultaschen gelegt. Für den Fall, dass eine von ihnen mir mal über meinen Kummer hinweg helfen würde."

"Und, hat eine dir über deinen Kummer hinweg geholfen?"

"Keine von denen. Viel später dann wieder eine Lehrerin. Eliza hieß sie."

"Ich weiß."

"Woher?"

"Du sprichst manchmal im Schlaf."

Mittwoch, 4. Januar 2012

Der Western lebt...

Als ich Anfang August 2011 die Shortstory Zwei Tagesritte von El Paso als E-Book für den Kindle veröffentlicht habe, sollte das ganze ein Experiment sein: Die Western-Geschichte hatte lange auf meiner Festplatte geschlummert, und da gab es diese coole neue Möglichkeit, Texte verlagsunabhängig zu publizieren und - noch besser - zu verkaufen. Und tatsächlich fanden sich sofort Leser, die "Zwei Tagesritte von El Paso" kauften. Nicht viele, aber immerhin auch nicht niemand.

Angespornt von den ersten kleinen Erfolgen, zog ich in Betracht, die ganze Geschichte des Thomas Al Wolfson, die in "Zwei Tagesritte von El Paso" zu Ende erzählt wird, von ihrem eigentlichen Ausgangspunkt aus aufzuschreiben - in der Länge typischer Heft-Romane, wie ich sie in meiner Kindheit stapelweise verschlungen hatte.

Viele, mit denen ich darüber sprach, schüttelten Anfangs den Kopf. Western? Liest keiner mehr. Mystery, Erotik, Politthriller, das geht heute. Aber ich wäre nicht ich, wenn mich gut gemeinte Ratschläge daran gehindert hätten, es zumindest zu versuchen: Kojoten am Rio Grande war der erste Band der "Al Wolfson-Chroniken", ihm sind bis heute Die Feuer von Alamosa, Ein Grab bleibt für den Sheriff, Die Bluträcherin und Wer den Bullen reizt... gefolgt.

Und, hatten meine Freunde recht? Nun ja, Kindle-Millionär bin ich bislang noch nicht. Aber wie sich die Leserschaft der Al Wolfson-Chroniken entwickelt hat, zeigt die folgende Grafik:


Noch anschaulicher: Ihr, liebe Leser, habt im Dezember 12 mal so viele Bücher gekauft wie noch im September, und ihr werdet von Monat zu Monat mehr. Ich kann mir keine stärkere Motivation vorstellen, die Reihe fortzusetzen. Und ja, ich schreibe natürlich schon längst am nächsten Band. Aber zwischendurch wollte ich einfach mal DANKE sagen!