Mittwoch, 4. Dezember 2013

Die Braut des Kopfgeldjägers - ein erster Auszug

Auch wenn es um Thomas Al Wolfson ruhig geworden zu sein scheint: Er lebt. Aber wie lange noch? Das wird vielleicht der nächste Band verraten:

Gerade als ich durch die Saloontür ins Freie trete, kracht es. Ich spüre ein Surren neben meiner linken Wange, irgendwo hinter mir ist ein Klirren von splitterndem Glas zu hören. Dann ein hohes Aufkreischen. Verdammter Whiskey - ich stehe viel zu lange reglos da, bis mir klar wird, dass mir jemand eben das Lebenslicht auspusten wollte. Und immer noch auspusten will. Ich greife nach meinem Colt, aber der steckt nicht in seinem Holster, sondern hängt an einem der Waffenhaken neben der Saloontür. Verdammter Whiskey - da ist die hölzerne, im Moment nicht mit Wasser gefüllte, Pferdetränke vor der Veranda des Saloons, ein Stück links von der Eingangstür, und weil mein Verstand nicht bei mir ist, springe ich dahinter in Deckung, statt zurück in den Saloon zu flüchten. Dabei pralle ich mit dem Gesicht gegen einen Verandapfosten und schlage mir die Unterlippe auf. Der Geschmack von Blut spült mir die letzten Tropfen meines letzten Drinks von der Zunge.

 „Werft mir den Colt raus!“, rufe ich in Richtung Saloontür. Darauf will der andere wohl nicht warten. Es kracht wieder. Die Kugel durchschlägt die Vorderwand der Pferdetränke, und weil sie danach nicht einmal durchs Wasser muss, hat sie noch Kraft genug, sich auch durch ihre Rückwand zu bohren und mich an der linken Schulter zu treffen. Ich spüre schmerzhaft, wie die Kugel anprallt, aber um mir ein Loch ins Fleisch zu machen, reicht ihre Kraft nicht mehr aus.

Ich entscheide mich trotzdem, zu brüllen wie ein verwundeter Stier. Nur, um für faire Verhältnisse zu sorgen: Immerhin bin ich betrunken von Whiskey, dann darf der andere ruhig betrunken von seinem Triumph sein. Noch drei Schüsse krachen, zwei davon durchschlagen die Tränke, eine bleibt im Holz hängen. Nach jedem Schuss heule ich auf. Alles in allem hat mein zweitbester Freund also fünf Mal auf mich geschossen. Die meisten Colts lassen sich mit sechs Patronen laden. Er hat demnach wohl noch einen Schuss, bevor er nachladen muss. Ich rutsche rückwärts zum Saloonfenster, lasse einiges von dem Blut, das sich von der geplatzten Lippe aus in meinem Mund gesammelt hat, über mein Kinn laufen, und richte mich mit dem Rücken zum Fenster schwerfällig röchelnd auf. Dabei lasse ich das Wurfmesser, das in meinem Stiefelfutter verborgen war, in meine rechte Hand gleiten. Wenn er ist wie die meisten Revolvermänner, dann wird er sich erst einen Moment an meiner Angst und meinem Schmerz weiden wollen, bevor er mir den Rest gibt.

Er soll mich nicht enttäuschen. Langsame, im Matsch der Straße schmatzende Schritte mischen sich mit dem leisen Klimpern von Sporen. Inzwischen haben meine Augen sich an das Dunkel gewöhnt. Das Licht aus dem Saloonfenster tut ein übriges. Ein hochgewachsener, hagerer Mann mit eingefallenen Wangen kommt auf mich zu. Seine Kleidung ist die eines wohlhabenden Gentleman. Um seinen Mund spielt ein Lächeln, in seiner linken Hand hält er einen langläufigen Colt, ich vermute einen Peacemaker. Ich habe diesen Mann noch nie zuvor gesehen. Aber er mich.

„Thomas Al Wolfson, nehme ich an“, sagt er, und es soll nur halb wie eine Frage klingen. „Es ist an der Zeit, nach Hause zu kommen.“

Niemand hier nennt mich bei diesem Namen, ich bin Al, Al Thomas. Also haben sie doch jemanden losgeschickt, um mich zu jagen, oder sie haben immerhin einen Preis auf meinen Kopf gesetzt.

„Wie viel geben die Ihnen dafür?“, röchle ich, „lassen Sie mich in Ruhe, und ich gebe Ihnen das doppelte.“

Er weiß, dass ich bluffe. Er hat mich im dämmrigen Saloonlicht erkannt, vielleicht beobachtet er mich seit Tagen. Er weiß, was bei mir zu holen ist. Aber er wird mir noch etwas Zeit geben, um mein Leben zu winseln. Und wird dabei mit jedem Herzschlag unvorsichtiger.

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